"Wir möchten den Kindern zuhause weiterhin helfen"

Mit Chancenwerk e.V. setzt sich Murat Vural dafür ein, dass insbesondere Kinder aus bildungsfernen Familien im deutschen Bildungssystem bessere gesellschaftliche und berufliche Perspektiven haben. Derzeit bleiben die Schulen deutschlandweit geschlossen – welche Ideen hat Vural? Wie kann man die Kinder weiterhin unterstützen?
Murat Vural

In Deutschland sind Schulen derzeit geschlossen, ihr könnt nicht mehr an euren Partnerschulen und ChancenSCHULEN tätig sein. Wie geht ihr mit der derzeitigen Situation um?

Durch die Schulschließungen kann auch unsere Lernförderung nicht mehr stattfinden. Wir möchten den Kindern zu Hause weiterhin helfen. Deshalb haben wir binnen weniger Tage aus unserem in den Lernförderungen erfolgreich laufenden Lernsystem cosinus das Projekt „cosinus@home“ entwickelt. In den nächsten Tagen werden knapp 4000 bei uns angemeldete Kinder ihre cosinus-Lernpakete nach Hause geschickt bekommen. Mithilfe der ausgedruckten Materialien kann jedes Kind die Aufgaben bearbeiten und an seinen Wissenslücken arbeiten. Gamification-Elemente sollen zur Motivation anregen und machen das Lernpaket attraktiver.

In eurem Arbeitsalltag  setzt ihr euch für Chancen und Perspektiven für Jugendliche ein. Welche Chancen und Perspektiven könnt ihr derzeit erkennen?

Tausende Kinder und Jugendliche sitzen aktuell zu Hause und bearbeiten Schulaufgaben, die sie von ihrer Schule erhalten haben. Diese werden von vielen Schulen in digitaler Form geliefert. Doch nicht alle Schüler*innen haben Zugriff auf PC oder WLAN. Wir sehen die Gefahr, dass für diese Kinder die Schere am Ende der aktuellen Situation noch ein Stückchen weiter auseinander gegangen sein wird. Mit cosinus@home wollen wir diesen Kindern auch weiterhin die Chance geben, an ihrem Bildungserfolg zu arbeiten. Deshalb erhalten sie durch uns die Möglichkeit, auch zu Hause ihr Basiswissen mit Hilfe unserer Lernmaterialien aufzufüllen. Sie sollen mit dem Lernstoff am Ball bleiben können, damit ihnen der Wiedereinstieg in den Schulalltag gelingt.

Alle reden von Solidarität – Social Entrepreneurs wie du leben Gemeinsinn und Zusammenhalt schon seit Jahren, teils Jahrzehnten. Wie empfindest du den derzeitigen Stimmungswandel? Und was erhoffst du dir davon?

Ich bin beeindruckt von der großen Hilfsbereitschaft, die von vielen Menschen ausgeht. Wir dürfen die Alten und Schwachen unserer Gesellschaft in dieser schwierigen Zeit nicht alleine lassen. Für mich und uns als Chancenwerk gehören da auch die Schulkinder hinzu. Sie sind auf unsere Unterstützung und Hilfe angewiesen. Deshalb war es für uns sehr wichtig, dass wir ihnen schnell Unterstützung in Form von gedruckten Lernmaterialien für zu Hause geben können, denn wir möchten auch weiterhin für die Kinder und deren Familien da sein. Ich erhoffe mir für die Zeit nach der Corona-Krise, dass etwas von der Rücksichtnahme auf Mitmenschen und der Solidarität bleibt. In unserer schnelllebigen Welt kann es nicht schaden, auch mal inne zu halten und sich auf wirklich wichtige Dinge zu konzentrieren und anderen zu helfen.